siebenmachen
siebenmachen ist: Stefanie

Stefanie Ramb, krambeutel Deine Wunschtasche im siebenmachen Atelierladen in München Obergiesing. Handgemachte Taschen und Beutel aus München

Foto (c) Simone Naumann

In den nächsten Wochen stellen wir euch in unserer Blogserie “siebenmachen ist:” die Personen hinter siebenmachen vor. Wir wollen dieses Mal mehr zeigen als nur die Produkte. Und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern – über andere Projekte, Zukunftspläne und tolle Orte in München. Unsere Gruppe ist übrigens 2012 entstanden und seitdem ganz schön gewachsen… unser neustes (und leider schon gar nicht mehr aktuelles) Gruppenfoto findet ihr hier. Den Anfang unserer Serie macht Stefanie Ramb, Gründungsmitglied von siebenmachen und Inhaberin des Labels krambeutel. Warum sie viel Zeit in Rundfunkstudios verbringt und wo sie in München am liebsten laufen geht, verrät uns Stefanie im Interview.

Wer bist du und was machst du?

Ich bin Stefanie und Chefin in der Manufaktur für Deine Wunschtasche. Ich entwerfe und fertige Taschen, Rucksäcke und alle Arten von Beuteln – vornehmlich aus recycelten Materialien und Resten.

Seit wann gibt es krambeutel?

krambeutel gibt es schon sehr lange. 2003 war ich mit meiner Ausbildung zur Industrieschneiderin bei Bogner fertig und die ersten Beutel habe ich noch nach Feierabend in der Ausbildungsschneiderei genäht – wir durften immer so lange bleiben und die Maschinen nutzen, bis das Putzkommando kam. Damals waren das Geldbeutel und einfache Umhängetaschen aus stabilen Einkaufstüten und anderen praktischen Materialien, die ich gerade da hatte.

Wie bist du auf die Idee gekommen? Welcher Weg hat zu deinem jetzigen Label geführt? Was war dein erstes, richtiges Produkt?

Mein allererstes Produkt war auch mein erstes, richtiges Produkt. Es war ein Geldbeutel, den ich für eine Freundin zum Geburtstag (als Auszubildende hat man nie Geld, schon gar nicht für Geschenke) aus einer großen blauen Ikea-Tasche genäht habe. Er hatte ein Kleingeldfach, ein Scheinfach und ein paar Kartenfächer und wurde mit Klettverschluss geschlossen. Dieser Geldbeutel landete per Zufall in einer Zeitschrift, und damit kam wie ganz von selbst der Stein ins Rollen. Für Freunde habe ich dann – inzwischen Geisteswissenschafts-Studentin mit Nähmaschine im WG-Zimmer – immer wieder Wunschtaschen umgesetzt: Umhängetaschen für die Uni, in die spezielle Thermoskannen und Bücherstapel passten, Sportbeutel mit Fächern für Kleingeld und Dreckwäsche, und immer wieder Geldbörsen mit Wunsch-Fächerkombinationen.

Stefanie Ramb, krambeutel Deine Wunschtasche im siebenmachen Atelierladen in München Obergiesing. Handgemachte Taschen und Beutel aus München

Foto (c) Simone Naumann

Woher kommt der Name?

Mein Nachname ist Ramb. Ich hatte Freunde gefragt, ob ihnen ein passender Name für das Taschenlabel einfallen würde, und erstmal kam nichts. Ich hatte auch keine zündende Idee. Am Abend erreichte mich eine SMS mit dem Inhalt “kRAMBeutel”. Dass das der Haupttreffer war, ist ja wohl klar, oder?

Was macht dir am meisten Spaß daran? Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten?

Ich vernähe hauptsächlich Leder – meist Stücke aus der Restekiste des Lederhändlers oder auch abgelegte Kleidungsstücke – und Planen – Werbebanner und Randabschnitte, die bei der Produktion von “großen” Planenteilen abfallen. Jedes Material hat seine Vorzüge und Nachteile. Ich arbeite mit beiden gleich gern. Und freue mich auch, wenn zwischendurch ein Segel oder Webware seinen Weg unter meine Nadel findet. Die meisten meiner Produkte sind Wunschtaschen. Das heißt, der Kunde bestellt bei mir ein spezifisches Modell in einer spezifischen Größe mit genau den Fächern, die er braucht und in den Farben, die ihm gefallen. Das ist oft herausfordernd, weil kein Beutel wie der andere aussieht und damit auch die Art der Verarbeitung individuell ist, aber genau deshalb auch spannend und ganz und gar nicht eintönig.

Stefanie Ramb, krambeutel Deine Wunschtasche im siebenmachen Atelierladen in München Obergiesing. Handgemachte Taschen und Beutel aus München

Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei dir aus?

Da ich in einem ungefähr-80%-Job etwas ganz anderes mache, nämlich Hörspiele und Features für Bayern 2 – das Kulturprogramm des Bayerischen Rundfunks – verbringe ich viel Zeit in Hörfunkstudios und setze mich erst abends oder am Wochenende an die Nähmaschine.
Ich versuche, jeden Tag mit Sport zu beginnen. Nach dem Laufen, Schwimmen oder Bouldern – meine drei Lieblingsbewegungsdinge – gibt es ein großes, ausuferndes Frühstück (ich bin jemand, der jeden Morgen vier Laibe Brot verdrücken könnte) und dann geht’s an die Arbeit. Mit dem Rad zum Funkhaus oder an den Rechner zu den E-Mails oder gleich an die Nähmaschine oder den Zuschneidetisch bzw. -fußboden. Je nachdem, was auf dem Tagesplan steht, bin ich zum Mittagessen verabredet, esse alleine zu Hause oder mit meinen Studiokollegen zusammen. Nachmittags wird wieder gearbeitet und abends dann genäht, an neuen Projekten für den Atelierladen gearbeitet, ein Glas Wein getrunken oder wahlweise, in stressigeren Zeiten, auch alles gleichzeitig. In den Phasen, in denen weniger Hörspiel produziert wird, versuche ich, mich mehr siebenmachen und krambeutel zu widmen, da die Prioritäten dann wieder über Wochen genau umgedreht sein können. Es ist immer irgend etwas zu tun, die Tage sind also so oder so voll. Deswegen nehme ich mir auch gezielt Phasen vor, in denen ich Urlaub mache und dann auch eigentlich immer wegfahre. Denn einen Balkon habe ich nicht und in der Wohnung gibt es zu viele Dinge, die vom Urlaubmachen ablenken.
Und achja, ich habe gerade zusammen mit einer Freundin einen Roman abgeschlossen. Er heißt “Tausche Dirndl gegen Sari” und erscheint im September bei Atlantik/Hoffmann und Campe. Jedes verkaufte Buch freut uns (und macht uns ein bisschen mehr stolz)!

Stefanie Ramb, krambeutel Deine Wunschtasche im siebenmachen Atelierladen in München Obergiesing. Handgemachte Taschen und Beutel aus München

Frau krambeutel in ihrem Arbeitszimmer&Materiallager / Foto (c) Simone Naumann

Was ist das außergewöhnlichste, was du jemals getan hast?

Früher, als wir noch jung waren und mit ganz besonders wenig Schlaf auskamen, fuhren wir regelmäßig zum Ausgehen nach Berlin. Samstag früh raus aus dem Münchner Club, schnell nach Hause, ein paar Sachen packen, und dann wieder zum Hauptbahnhof. Mit einem Schönes-Wochenende-Ticket konnten fünf Personen das ganze Wochenende durch Deutschland fahren, und das taten wir auch, ungefähr einmal im Monat. Mit acht Mal umsteigen nach Berlin (der Weg ist das Ziel), durch die Stadt streifen, Freunde treffen, tanzen gehen, und Sonntag wieder mit acht Mal umsteigen zurück nach Hause. Oft kamen wir zu der Uhrzeit aus dem Club in die sonntägliche Morgensonne, zu der ich Montag früh wieder arbeiten musste – um 6.30 Uhr. Das war eine verrückte Zeit, anstrengend, aber auch so voll Energie wie später kaum mehr etwas.

Was ist dein nächstes großes berufliches Ziel?

Da ich zwei Berufe habe, habe ich auch für jeden ein Ziel: Die Rundfunkarbeit soll noch eigenständiger, kreativer, unabhängiger werden als sie sowieso schon ist. krambeutel muss ich nicht unbedingt wachsen sehen, aber auf jeden Fall effektiver gestalten. Stück-für-Stück-Anfertigung ist doch um einiges zeitintensiver als die Produktion größerer Stückzahlen, sodass das Ziel ist, pro Jahr eine Handvoll größerer Aufträge zu akquirieren, die mir Fließbandarbeit erlauben. Das könnten Werbegeschenke sein, oder eben auch die kleinen Serien, die dann im Atelierladen zum Verkauf kommen. Außerdem möchte ich schon seit Jahren den Papierkram – Buchhaltung etc. – abgeben. Vielleicht klappt’s ja dieses Jahr.

Stefanie Ramb, krambeutel Deine Wunschtasche im siebenmachen Atelierladen in München Obergiesing. Handgemachte Taschen und Beutel aus München

Was kann man von dir im Atelierladen kaufen und was machst du sonst noch so?

Im siebenmachen Atelierladen gibt es einen Querschnitt durch das krambeutel-Sortiment, der Lust auf eine Wunschtaschen-Bestellung machen soll. Turnbeutelrucksäcke aus Leder und Stoff in diversen Farben und Mustern, Federmäppchen, Etuis aus Plane und Leder, Waschbeutel, meine Hasen- und Mäuse-Reißverschluss-Mäppchen und Kleinserien von Taschen, Rucksäcken und Beuteln aus Leder und Plane bzw. Bannern. Wer im Laden keinen Beutel findet, der perfekt für das Laptop/die Sportschuhe/den Wochenendausflug/das Enkelkind/den Gepäckträger ist, kann diesen natürlich gerne von mir angefertigt bekommen. Das kostet dann auch keinen horrenden Aufpreis, kann aber manchmal ein bisschen länger dauern, es könnte ja sein, dass ich gerade mal wieder im Studio auf Tauchgang bin. Oder auf Reisen, ich leide nämlich unter ständiger Fern-Sehnsucht und kann nur ruhig schlafen, wenn eine nächste Reise in Planung bzw. im Idealfall schon ein Flug/Zug gebucht ist.

Stefanie Ramb, krambeutel Deine Wunschtasche im siebenmachen Atelierladen in München Obergiesing. Handgemachte Taschen und Beutel aus München

von links oben nach rechts unten: Mitternachtssonne in Gällivare/Lappland, Isfahan/Iran, Berufsgenossen in Pondicherry/Südinien, an der Playa Blanca/Kolumbien

Was ist dein Lieblingsprodukt im Laden und warum?

Puh, das ist schwer zu beantworten. Ich stolpere immer wieder über neue Lieblingsprodukte. Ich mag das Porzellan von Elena Krafft wegen seiner eleganten Schlichtheit, aber dennoch Einzigartigkeit; ich bin großer Fan von den Lederhoserln von trachtenbaby, die ich aber mangels Baby immer nur bewundere und noch nie selbst kaufte; die Geldbörsen von habseligkeiten, vor allem wenn sie aus Omas Spitzendeckchen gemacht wurden, entlocken mir immer OOOHs und glänzende Augen. Eines ist sicher: Suche ich nach Geschenken (und die Zeiten sind vorbei, in denen selbst nähen die einzige Option war), dann tue ich das im Atelierladen. Und zwar immer erfolgreich!

Dein Geheimtipp für München?

Ich bin auch nach 16 Jahren in München (ursprünglich komme ich aus dem nebligen Donautal) immer noch total verknallt in die Stadt. Am tollsten zeigt sie sich für mich am frühen Morgen, wenn der Tau noch über den Wiesen hängt und die Menschen mit kleinen Augen gerade so aus ihren Löchern kriechen. Da mag ich die Parks und die Isarauen am allerliebsten. Mein absoluter Lieblingsplatz ist – neben den unzähligen Cafes, in denen man fabelhaften Kuchen essen kann – der Nymphenburger Schlosspark. Ich versuche so oft wie möglich dort morgens laufen zu gehen, hinter jeder Ecke versteckt sich eine großartige Kulisse. Er ist Sommer wie Winter grandios – nur Samstag Nachmittag meide ich ihn lieber, da sind mir doch zu viele Flanierer unterwegs. Aber auch der Olympiapark, der englische Garten, der Hirschgarten und all die Seen, die man im Sommer ohne Probleme mit dem Fahrrad erreichen kann, ziehen mich magisch an. Immer! Nichts wie raus!

krambeutel ist außer im siebenmachen Atelierladen auch im Internet an unter anderem diesen Stellen zu finden:
Blog und Shop auf www.krambeutel.de
Bei facebook
Bei Instagram (hier kann man mit auf Reisen gehen)
Bei Etsy

(Fotos: Simone Naumann und SR/Text & Konzeption: SR und MK)

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