Neu im Laden: Kopfgeschichten

Christine Kamlah hat ihr Hutlabel „Kopfgeschichten“ getauft und besonders ihre Upcycling-Hüte sind dies im wahrsten Sinne des Wortes… In unserem Interview verrät sie mehr über ihre schönen Hutkreationen:

1. Wann hast du angefangen mit Deinen Kopfgeschichten?

Vor über 20 Jahren habe ich Modistin gelernt. Eigentlich schon immer mein Traumberuf. Aber zu lange war ich nicht krativ tätig und habe mein Wissen und Können kaum genutzt. 2008 habe ich zu Weihnachten meinen ersten Computer bekommen. Fast sofort habe ich auf Ebay Hutformen aus den 50ern entdeckt und Material! ich wusste es noch nicht, aber es gab kein Zurück mehr. 2009 habe ich dann meine Gewebe angemeldet: „Herstellung und Verkauf von Hüten, Mützen und Accessoires und Textilien.“

Trachtenhut mit Mohnblüte Textur klein

2. Was inspiriert Dich zu Deinen Kopfgeschichten?

Die Swing- und Rockn’Roll Ära der 20er und 50er Jahre! Die Musik, der Style, die Selbstverständlichkeit im Alltag chic und individuell gekleidet zu sein. Als allererstes ein „Goldener Schnitt“ von 1941 aus dem Schrank meiner Oma; Modezeichnungen und Schnittmuster vom Hauskleid bis zum „feschen Trachtenkostüm für touristische Zwecke“.

Das Upcycling hat sich von ganz alleine ergeben: In einer Hutwerkstatt wird nichts weggeworfen. Außerdem ist das Vintagematerial oft besser als das neue. Mehr Charme hat es auf alle Fälle und günstiger ist es auch.

3. Wie lange hat die Umsetzung von der Idee bis zum ersten fertigen Stück gedauert? Gab es Prototypen die du vorher getestet hast?

Schon der erste Hut hat so funktioniert wie seitdem jeder: Ich fange mit einem Bild im Kopf an und versuche das umzusetzen. Manchmal muss ich aber „mit dem Material“ arbeiten oder ich schmeiße „unterwegs“ alles wieder um und das Ergebnis sieht ganz anders aus. Aber das macht nichts. Jeder Hut ist ein Unikat und kann immer nur so ähnlich und nie exakt gleich reproduziert werden. Wenn ich dranbleiben kann, ist ein Hut in zwei Tagen fertig. Prototypen gibt es nur bei Mützen und Kappen aus Stoff, jeder Schnitt muss erst getestet und evtl. geändert werden.

Drei Hüte grün, grau, rot Textur klein

4. Mit welchem Material arbeitest du und warum?

In der klassischen Modisterei verwendet man Stumpen (konische Rohlinge) aus Wollfilz (Schurwolle),  Haarfilz (Hasen- und Kaninchenhaar) und Stroh. Stoffe aller Art werden zu Mützen und Kappen verarbeitet. Mein Upcycling-Material finde ich auf dem Flohmarkt oder bekomme es bei meinen Kunden. Das geht von Hüten über Stoffe und alte Bänder bis zu Jeans und kleingewaschenen Kaschmirpullovern. Wobei in der Verarbeitung kein Unterschied zwischen „neu“ und „gebraucht oder alt“ besteht. Das liebe ich besonders an Filz, dass er sich mit Hitze Druck und Feuchtigkeit immer wieder neu formen lässt. Aber immer gilt nur hochwertiges Ausgangsmaterial lohnt den Aufwand.

5. Hattest du eine bestimmt Zielgruppe vor Augen als du angefangen hast?

Ich habe immer das gemacht, was ich am liebsten mag und es freut mich riesig, dass es  so viele Leute gibt, denen es auch gefällt. Gerne arbeite ich aber auch nach Auftrag und mit den Ideen meiner Kundinnen. Ein anderer Blickwinkel eröffnet neue Perspektiven.

Hut mit Spitze und Nähkreide Detail Textur klein

6. Gibt es Pläne für die Zukunft?

Ich hoffe mich noch weiter aus meinem Tagesjob als Marktfrau (für Miete und Essen) zurückziehen zu können und mich handwerklich und kreativ weiterentwickeln zu können.

Ab Anfang Februar findest du Christines „Kopfgeschichten“ bei uns im Laden!

Text: Kopfgeschichten/BR Fotos: BR